Gipfel, Baumblut und High-Tech

Sehenwertes im Umland – Der Triebenberg auf dem Schönfelder Hochland ist Dresdens Mütze

Von Hellmut Räuber

Mit 383 Metern über NN bildet der Triebenberg die höchste Erhebung im Schönfelder Hochland. Da bis hinauf auf seine Kuppe landschaftlich ganz unterschiedliche Wege führen, ist er zu einem beliebten Ausflugsziel für Naturfreunde geworden. Man kann einen steilen Anstieg wählen, denn am Borsberg erreicht das Plateau eine Höhe von 361,5 m über NN, erhebt sich also etwa 250 Meter über dem Elbspiegel. In die Abbruchkante des Lausitzer Granodiorits kerbten mächtige Wassermassen der abschmelzenden Gletscher der Eiszeit tiefe Einschnitte. Dadurch entstanden Täler mit steilen Hängen und schmalen Talsohlen, in denen sich Bäche mit starkem Gefälle noch heute ihren Weg zwischen den Granitbrocken bahnen. Die Wasserkraft wurde einst zum Antrieb von Wassermühlen genutzt. Davon künden noch heute die Mühlen im Keppgrund und im Friedrichsgrund. Dieser Weg durch die ,,Gründe" bietet wildromantische Blicke und interessante Naturerlebnisse. Friedrich August III, ab 1806 König von Sachsen, durchstreifte häufig den Meixgrund, der später als ,,Friedrichsgrund" seinen Namen erhielt. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts fanden hier die Maler der Romantik auf dem Weg von Pillnitz nach dem Hochland die Vorlagen für ihre Bilder. Johann Carl August Richter begeisterte sich um 1820 am künstlichen Wasserfall, der in den Friedrichsgrund stürzte. Auch Carl Gustav Carus hielt sich hier oft auf. Sein Ölgemälde vom Friedrichsgrund (um 1830) kündet noch heute in der Gemäldegalerie von der Vorliebe seiner Zeitgenossen für die Naturmalerei. Der weitere Weg führt durch Streuobstwiesen über Zaschendorf zum Triebenberg. Jetzt im Frühjahr verwandelt sich diese Gegend in ein prachtvolles Blütenmeer, denn nacheinander öffnen sich die Knospen der Kirsch-, Pflaumen-, Birnen- und Apfelbäume. Ein weiterer Anstieg führt vom Elbtal bei Hosterwitz durch den Keppgrund auf das Hochland. Adrian Zingg malte um 1800 die Mühle im Keppgrund romantisch überhöht auf steilem Berghang über tosendem Wasserfall. Der Müller hatte hier ein Gasthaus eröffnet. Diese Ausflugsstätte wurde zum Lieblingsaufenthalt von Carl Maria von Weber, der hier erstmalig auf dem Wirtshausklavier die ,,Aufforderung zum Tanz" spielte.

Man kann auch Gönnsdorf als Ausgangspunkt der Wanderung wählen. Von der Bushaltestelle aus erreicht man in wenigen Minuten den Turmberg (320 m über NN). Von dort aus führt die ,,Alte Hornstraße" auf dem Kamm des Schönfelder Hochlandes nach Osten. Über schier endlosen Getreidefeldern erhebt sich die flache Kuppe des Triebenberges. Um 1920 wurde dieser von einem zeitgenössischen Dichter mit einem ,,runden, weichen Busen" verglichen. Einst hatte der ,,Hornweg" überregionale Bedeutung. Auf ihm wurde Salz über Stolpen bis nach Böhmen transportiert. Zwischen dem 15. und dem 19. Jahrhundert fanden hier oft kriegerische Auseinandersetzungen statt. Der Weg kreuzt die Trasse der ehemaligen Eisenbahnlinie Weißig - Dürrröhrsdorf. Die Strecke wurde 1951 nach Reparationsforderungen der Sowjetunion demontiert. Lange Zeit war der Bahndamm ein beliebter, aber ungepflegter Spazierweg über das Hochland. Gegenwärtig wird er befestigt und zu einem Rad- und Wanderweg ausgebaut. Von Schönfeld aus ist dann ab dieser Trasse der Triebenberg gut zu erreichen. Der Berg ist umgeben von Wiesen und Weiden. Steinrücken sind mit Laubhecken bewachsen, und auf dem Hügel wurden, nicht ganz standortgerecht, Kiefern angepflanzt. Bei günstiger Witterung ergibt sich ein herrlicher Blick über die Tafelberge der Sächsischen Schweiz bis hin zu den Vulkankuppen des Böhmischen Mittelgebirges.

Im Osten sind die weitgeschwungenen Bergketten der Lausitz zu erkennen, im Westen erhebt sich der flache Rücken des Osterzgebirges. Bei sehr klarem Wetter gibt es einige Stellen im Gelände, von denen aus man den Jeschken und den Collmberg bei Oschatz erkennen kann. Und am Turm der Reitzendorfer Mühle vorbei wird die Sicht ins Elbtal frei. Einen derartigen Rundblick gibt es kaum an anderer Stelle im Dresdner Umland. Um ihn genießen zu können, muss man allerdings das Kieferndickicht umrunden.

Vor genau 70 Jahren, 1931, starteten am Triebenberg erstmals Segelflieger. Jetzt ist hier Startbasis für Paragleiter und die kleinen Maschinen des Modellflugclubs Rossendorf e.V. Der Weg zum Gipfel war über Jahrzehnte versperrt, da dort eine Radarstation der Roten Armee angelegt wurde. Vom Abzug der späteren GUS-Truppen vom Triebenberg am 12. Oktober 1992 berichtet ein Dokument in der Gemeindeverwaltung Eschdorf. Das Tor, das einst den Gipfel verschloss, steht jetzt offen. Im ,,Objekt Triebenberg" entstand ein neues Labor für Höchstauflösungs-Elektronenmikroskopie und elektronische Holographie der TU Dresden. Hier werden sehr hohe Anforderungen an die Störfreiheit gestellt. Diese sind für die Elektronik-Industrie von Bedeutung, und inzwischen gehört das hiesige Labor auf dem Triebenberg zu den weltweit anerkannten Einrichtungen der Spitzenklasse. Es wird von Wissenschaftlern aus den USA, aus China, Japan und anderen auf diesem Gebiet führenden Ländern besucht, die zeitweilig hier auch arbeiten und forschen.

Karte des Schönfelder Hochlandes

Karte des Schönfelder Hochlandes

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Quelle: Sächsische Zeitung vom 12./13.05.2001  www.sz-online.de


JGL 17.06.2001