Der Burgberg in Loschwitz

Fragt man am Körnerplatz nach dem Loschwitzer Burgberg, gibt es meist nur ein Achselzucken zur Antwort. Ist der Berg in Vergessenheit geraten? Nur am einstigen Eingang ehemaligen Restaurants "Burgberg" am Plattleite-Weg ist eine verblichene Schrift mit einem Hinweis entdecken. Was hat es eigentlich mit dem Burgberg auf sich?

Das Hotel Burgberg in den 1930er Jahren

Der Name Burgberg rührt von einer alten slawischen Wallanlage aus dem 7. bis 11. Jahrhundert her. Sie entstand auf einem Steilaufragenden Bergsporn über der Elbe und besaß einen Graben und einen Wall. Pfähle und Flechtwerk boten den kriegerischen Angriffen der Ottonischen Kriegsscharen Widerstand.  Bis 1584 wird in Loschwitz ein "Borgkberg" erwähnt.

Der Blick vom Burgberg zum Louisenhof Anfang des 20. Jahrhunderts

Der Winzer Gottfried Bormann baute den Burgberg 1853 zu einem gastronomischen Ausflugsziel aus und schon 6 Jahre nach der Eröffnung erweiterte er seine Einrichtungen um ein Gebäude am unteren Burgberg. Durch die wachsende Beliebtheit von Loschwitz im beginnenden 20 Jahrhundert kamen Persönlichkeiten wie Schiller, Körner und Schütz in den Genuss der gastronomischen Einrichtungen an den Weinbergen und machten sie damit stadtbekannt. Das einmalige Ambiente der Terrasse mit der weit reichenden Sicht bis ins Erzgebirge war damals ein vielfach dargestelltes Motiv der angereisten Künstler. Eine umfassende Rekonstruktion in den Jahren 1926/27 brachte die letzte Phase als Hotel und Tanzlokal.

Die Freitreppe führte vom Körnerplatz zum Burgberg

Im zweiten Weltkrieg wurde der Burgberg zu einem Lazarett umfunktioniert und brannte in der Bombennacht vom 13. zum 14. Februar völlig aus. Wegen der Unfallgefahr für spielende Kinder wurden die Reste der Gebäude 1967 eingeebnet. Erhalten geblieben sind einige Säulen des Wintergartens, Stützmauern und die Freitreppe zum Körnerplatz.

Der Blick über das Elbtal auf einer historischen Ansichtskarte

Der Kunst- und Kulturverein Alte Feuerwache Loschwitz bemüht sich seit Jahren um eine behutsame Wiedererschließung des historisch wertvollen Ortes. Bildende Künstler sollen sich hier, von Natur und Geschichte inspiriert, verwirklichen und zu neuen Ideen gelangen. Erste Eindrücke davon vermittelt das Projekt "Burgberg Wald Skulptur", welches man an besonderen Tagen (z.B. während des Elbhangfestes) besichtigen kann. An solchen Tagen kann man auch einen Teil des wunderschönen Ausblickes genießen.

Der Blick vom Burgberg zum Louisenhof heute

Blick vom Burgberg nach Süden zum Luchberg und zum Geising im Erzgebirge

Das Gelände des Burgberges im Juni 2007

Blick nach Südost über Loschwitz mit der von George Bär errichteten Loschwitzer Kirche

Ein Teil der Freitreppe vom Körnerplatz ist verfallen

Blick über das Blaue Wunder nach Blasewitz bis zum Windberg bei Freital

Blick nach Süden über Blasewitz nach Strehlen und weiter nach Bannewitz

 

Die Eingangstorsäulen erinnern mit ihrer Form an den Burgberg

JGL 22.07.2007

 

Wo Merian den Elbbogen malte
Das ursprüngliche Loschwitz lag zwischen dem fast vergessenen Burgberg und der Elbe
von Werner Pinkert

Im Mittelalter bestand auf dem Bergsporn zwischen Grundstraße, Schillerstraße und Körnerplatz eine slawische Wehranlage, die im 10. Jahrhundert zum Gau Nissan gehörte. In deren Schatten ließen sich ersten sorbischen Bewohner des künftigen Loschwitz nieder.

Als im 12. Jahrhundert deutsche Siedler hinzu kamen, verdichtete sich die Dorfanlage, die noch 1315 auf sorbisch ,,Loscnicz" geschrieben wurde. In dieser Zeit verlor der Burgward vermutlich seine Bedeutung im Verteidigungssystem des Gaus Nissan, denn er wurde dem Verfall preisgegeben. So überrascht eigentlich nicht, dass heute kaum noch ein Loschwitzer von der einstigen Wehranlage weiß. Durch die spätere Überbauung mit der Villa Orlando, den Wegeeinschnitt der Plattleite sowie die Befestigungen für die Standseilbahn ist von der alten Anlage so gut wie nichts mehr zu erkennen. Durch die Aufnahme des Fährbetriebs, die Fischerei und die Entwicklung anhängiger Gewerke hatte sich zum Fluss hin eine Siedlung mit Markt entwickelt

Weinberge verdrängen den Heidewald

Mit Errichtung des Maternihospitals 1270 in Dresden, übereignete ihm Markgraf Heinrich von Meißen auch Land in Loschwitz zum Anlegen von Weinbergen. Das war der Anfang der Umgestaltungen. Stück für Stück der sich über die Heidesandterrasse ausgebreiteten Heidewälder kamen unter die Axt; wurden Terrassen gebaut. Den lukrativen Besitz von Weinbergen sicherten sich dann auch Augustinermönche aus Altendresden (Innere Neustadt) und Dominikanermönche aus Pirna. Das wiederum rief begüterte Dresdner (Altstadt) auf den Plan. Sie kauften Land, ließen sich Häuser errichten und Weinberge anlegen. Bilder von 1880 zeigen die einstige Heidesandterrasse vom Waldschlösschen bis nach Wachwitz als ein homogenes Weinanbaugebiet mit einzelnen Villen, aber ohne wesentlichen Baumbestand.

1693 plünderten schwedische Söldner das Dorf und steckten es in Brand. Von den Jahre später mühsam wieder aufgebauten Gebäuden ist das Haus Veilchenweg 9 aus dem Jahr 1661 noch zu sehen; 1680 wütete die Pest, so dass viele Loschwitzer in die Weinberge flohen.

Bekannt wurde Loschwitz erst später, als ein Kupferstecher namens Caspar Merian einen ,,Prospect des Elbstroms um Dresden" verbreitete. Das reizvolle Motiv hatte er auf halber Höhe des 2. Steinweges gezeichnet. Mit seinem Werk öffnete Merian vielen Malerkollegen die Augen für die Schönheit des Ortes am Hang, der auch als Ausflugsziel beliebt wurde.

Unweit des Standpunktes, auf dem Merian gezeichnet hatte, eröffnete man einen Steinbruch. Für die Stützmauern der vorgesehenen Weinberge und Grundstücke wurden viele Granitsteine benötigt. Beim Abbau sahen die Bergleute das Gestein verführerisch glitzern, so dass sie an eine Erzader glaubten. Doch nach etwa 20m Tiefe in den Berg hinein gaben sie auf. Mehr Erfolg brachte das Wasser der Trille (des Lockwitzbaches). Nach und nah entstanden vier Mühlen, die auch andere Gewerke anzogen. Der Ort wurde immer größer; Eine verwaltungstechnische Unterteilung in drei Bereiche wurde notwendig: die Ratsgemeinde an der Elbe, die Amtsgemeinde im Grund und die Winzergemeinde auf den Hängen nach Wachwitz zu.

Stil-Vielfalt und Malerische Landschaft

1885 bereitete die Reblaus dem Weinanbau ein Ende. Übrig blieben die Terrassen und Bergstufen. Viele der Weinbauern verkauften ihr Land zum Hausbau. Verschiedene Stilrichtungen sollten sich dabei auch hier niederschlagen: ,,der Berg" ward bunt. Es entwickelte sich in Loschwitz eine malerisch reizvolle Landschaft, die ihre Anziehungskraft bewahrt hat. Dorfkern und Hangbebauung bildeten eine kontrastreiche Symbiose und verhalfen Loschwitz zur Anerkennung als Kur- und Villenort.

Blaues Wunder und Seilbahnen brauchen Platz

Im 18. Jahrhundert bekam der Ort seine eigene Kirche. Seit ihrer Fertigstellung 1708 im barocken Stil ist sie als markanter Akzent im Panorama des Dorfbildes nicht mehr wegzudenken. Knapp zweihundert Jahre später erhielt Loschwitz ein weiteres Markenzeichen: die Brücke ,,Blaues Wunder", die 1893 übergeben wurde. Dafür mussten viele der alten Häuser am Dorfplatz verschwinden. Auf aufgeschütteten Terrain entstanden Stadthäuser. Die verbliebenen Häuschen wurden dadurch optisch fast erdrückt und bildeten neben dem Trio der weltweit beachteten technischen Meisterleistungen ,,Blaues Wunder" (1893). Standseilbahn (1895) und Schwebeseilbahn (1901) nur noch eine dörfliche Kulisse.

Relativ gut überstand der Ort die zwei Weltkriege. Umso schmerzlicher war der spätere Verfall des alten Dorfkerns. Inzwischen stehen die Häuser Friedrich-Wieck-Straße 1 bis 11 und das Fachwerkhaus Veilchenweg 6 für gelungene Beispiele Kulturerhaltender Rekonstruktion. Sie ist dem gesamten Ortskern zu wünschen.

Körnerplatz 7, eines der restaurierter Häuser des Dorfensembles

Körnerplatz 7, eines der restaurierter Häuser des Dorfensembles

Quelle: Sächsische Zeitung vom 12.10.2000

JGL 2001